Unser Hiasi hat uns verlassen

 

Durch ihn wurde der Grundstein für das bäuerliche Projekt Mathiashof gesetzt. Wir würdigen sein Dasein. Er hat uns gezeigt wieviel uns Menschen mit Behinderung geben, was wir von ihnen lernen können und vor allem was Menschen mit Down Syndrom für ein Segen für die Liebe und den Frieden in der gesamten Welt sind, bzw. sein könnten.

 

Der Anfang

Matthias Stöllinger, ein Mann mit Down- Syndrom, lebte und arbeitete bis zu seinem 40. Lebensjahr auf dem elterlichen Mathiashof in Fuschl am See. Die landwirtschaftliche Arbeit, besonders im Wald mit der Brennholzaufarbeitung brachte ihm viel Lob und Anerkennung ein. Er hat z.B. mit dem Leiterwagerl Holz aus dem Wald geholt, abgesägt, aufgestapelt, vor dem Winter in die Hütte geräumt. Mit dem Seniornachbar saß er abends auf der Hausbank und gemeinsam betrachteten sie ihr Tagwerk.

Am Beispiel des Produktes Holz konnte Matthias die ganze Kette vom Holz holen aus dem Wald bis hin zum Heizen für wohlige Wärme als auch zum Kochen des Essens mitverfolgen.

Ebenso bei den Milchprodukten vom Grasholen, verfüttern, melken der Kühe bis die Milch am Tisch stand und vieles andere mehr. Dies hat seine geistigen Fähigkeiten unterstützt und gefördert.

Mit 40 Jahren ließ seine Kraft nach, die Eltern konnten ihn nicht mehr versorgen, so begann ein neuer Lebensabschnitt in einer Einrichtung der Lebenshilfe. Die große Gemeinschaft dort wurde ihm sehr wichtig und man sah noch deutlicher, was ihm bisher gefehlt hat.

Im Herbst 2002 begannen für Franziska, Schwester von Matthias und Alfred Kari die Überlegungen beides zu verknüpfen: die Arbeit auf dem Bauernhof und eine betreute Gemeinschaft. Abgesehen davon, ein Zuhause für Menschen mit Behinderung zu schaffen, sollte dieses Zukunftsprojekt auch eine kreative Maßnahme Erhaltung eines landwirtschaftlichen Betriebes in einer sehr erholsamen Gegend darstellen. Es war in ihrem Interesse, dem Hof einen neuen Sinn zu geben.

 

Kari`s gründeten bereits im Jänner 2003 eine Arbeitsgruppe mit Bekannten, Betreuern und Befürwortern, eine intensive Vorarbeit begann. Es wurden verschiedenste Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, vor allem bäuerliche besucht, recherchiert, gelesen, diskutiert, Bedarfserhebungen gemacht.

 

Alfred und Franziska Kari, 2. und 6. von links

Matthias 4. von links

Bürgermeister Ing Hartmut Schremser wurde eingeweiht und setzte sich von Anfang an mit Begeisterung für dieses Projekt ein. So fand man den Mut zu Ostern 2003 über die Presse vom geplanten Projekt zu informieren, was die gewünschte Resonanz brachte - viele Eltern von Menschen mit Behinderung, interessierte Betreuer und Trägervereine nahmen Kontakt mit Familie Kari auf.

 

Jänner 2004

Gründung des Vereins

"Naturwerkstatt Mathiashof"

mit Alfred Kari als Obmann, interessierten Eltern, Betreuern und Befürwortern.

Weitere Kontakte mit möglichen Trägervereinen, Politikerinnen, Bürgermeistern der Region, Abteilung 4 der Landesregierung und Architekten folgten.

Ab Frühjahr wurden regelmäßig gemeinsame Treffen und Aktivitäten mit und für Menschen mit Behinderung organisiert: Grillfeste, Wanderungen mit Waldpädagogen, Basteln für Advent, Lamawanderungen, kegeln, Bootsausflüge etc.

Konzepterstellung und erster Flyer

Februar 2004: Vorstellung des Projektes der zukünftigen Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller

 

Juni 2005

Erstes Gespräch mit Soziallandesrat Dr. Erwin Buchinger gemeinsam mit Vertretern der Caritas Salzburg, organisiert vom Verein, verlief positiv und motivierend.

Sommer 2005:

konnte die Caritas der Erzdiözese Salzburg als Trägerverein gewonnen werden.

Dezember 2005:

2.Termin bei LR Buchinger

 

Winter 2005/06

Viele gemeinsame Sitzungen folgten, nachdem die Caritas vom Land den Auftrag erhielt. Das Konzept von Kari und Verein diente als Basis für die Einreichung beim Land.

März 2006:

Besprechung mit Fr. Brandstätter vom Fremdenverkehrsverein Fuschl am See und Franziska Kari bezüglich einer Zusammenarbeit mit der Naturwerkstatt Mathiashof mit vielen Ideen für gelebte Integration.

September 2006:

bestens gelungener Pressetermin am Mathiashof mit Krapfen und Pofesen der Fuschler Bäurinnen, Demonstration der Holzarbeit, Menschen mit Behinderung am Pferd mit Nachbarin Annelies Schmidlechner, Mathias am Traktor und beim Holz sägen, alles organisiert vom Verein.

 

März 2007

Abriss des Wirtschaftsgebäudes: Dach abdecken, Übersiedlung der Hackschnitzelheizung, Aufarbeitung des anfallenden Materials etc. durch Vereinsmitglieder, Faschingsgilde Plainfeld, Pfadfindergruppe Anif und Feuerwehr Fuschl am See, Baggerarbeiten durch Caritas.

August 2007

Beginn der Bauphase für Wohnhaus und Stallgebäude

Mai 2008

Eröffnungsfest des Mathiashofes

Von diesem Zeitpunkt an hat der Verein Naturwerkstatt Mathiashof

viele Arbeitsstunden und finanzielle Leistungen bereitgestellt.

Vor allem hat der Verein immer die Arbeit in freier Natur gefördert, überwiegend die Waldarbeit.

Die Neuerrichtung der Sigmundmühle ist wohl die dringendste Investition des Vereins für unsere Mathiashof - Waldarbeiter gewesen. Verschiedenes Wetter ist für sie zwar kein großes Problem, doch ein beheizbarer Unterstand ist wohl nicht zu verachten, vor allem für die Jausenzeiten, aber auch zum Arbeiten z.B. für die Anzündholzproduktion.

Mit dieser Geschichte schauen wir stolz in die Zukunft!